Berufsporträt : René Schlechter

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Was ist das „Ombuds-Comité fir d’Rechter vum Kand“?

Das Ombuds-Comité wurde durch ein Gesetz 2002 als unabhängige und neutrale Instanz eingerichtet. Die sechs Mitglieder des Komitees, drei Frauen und drei Männer werden für ein Mandat von 5 Jahren ernannt.

Welche Ziele und Aufgaben verfolgt diese Organisation?

Das ORK achtet darauf, dass die Kinderrechtskonvention in Luxemburg bekannt wird und dass die Kinderrechte respektiert werden, sowohl in der Gesetzgebung als auch im Alltag von Familien, Schulen, Kinderheimen oder allen anderen Orten, an denen für oder mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet wird. Das Komitee veröffentlicht jedes Jahr im November einen Bericht zur Lage der Kinderrechte. Der Bericht richtet sich ans Parlament und an die Regierung, aber auch an das breite Publikum. Darin benennt das ORK Mängel in Sachen Kinderrechte und gibt Empfehlungen für Verbesserungen.

Welche Position haben Sie dort?

Ich bin Präsident des ORK, der einzige vollzeitbeschäftigte des Komitees, und somit Ombudsman für die Rechte der Kinder.

Wollten Sie schon immer im Kinder- bzw. Jugendbereich arbeiten?

Das kann ich so nicht sagen. Mit 20 dachte ich daran Geschichtslehrer zu werden, habe aber dann umgesattelt und Erziehungswissenschaften studiert. Ich habe aber jetzt über zwanzig Jahre im Kinder- und Jugendbereich gearbeitet: Ich war Leiter vom Kinder- und Jugendtelefon und arbeite auch jetzt gerne und mit viel Freude in dem Bereich.

Gab es eine ähnliche Organisation als Sie jung waren?

Nein, in den 60er und 70ern es gab weder Einrichtungen wie das Kinder-Jugendtelefon oder das ORK. Die Sozial- und Jugendarbeit hat sich seither sehr verändert und vieles ist erst in den letzten Jahrzehnten entstanden.

Warum ist es, Ihrer Ansicht nach, wichtig, dass es das “Ombuds-Comité” gibt?

Die Kinderrechtskonvention von 1989 ist ein wichtiger Meilenstein für die Menschenrechte und eine wahre Errungenschaft des 20. Jahrhunderts. Es ist wichtig, dass es in jedem Land eine unabhängige und neutrale Instanz gibt, die mit dafür sorgt, dass die Bestimmungen und der Geist der Konvention in nationales Recht umgesetzt werden und im Alltag respektiert werden.

Inwiefern ist es für junge Menschen von Bedeutung?

Das ORK informiert junge Menschen über ihre Rechte und über die Notwendigkeit die Rechte anderer zu respektieren. Jedes Kind, jeder Jugendliche, jedes Mädchen, jeder Junge der findet, dass seine Rechte nicht respektiert werden – zu Hause, in der Schule, vor Gericht, im Heim oder wo auch immer – kann sich ans ORK wenden um sich zu informieren, um sich beraten zu lassen. Da wo es von Nutzen sein kann oder einfach notwendig ist, bekommt auch jeder einen Gesprächstermin mit dem Ombudsman für die Rechte der Kinder. Die Anliegen der Ratsuchenden höre ich mir genau an und bespreche dann mit den Betroffenen was sie tun können oder wie ich, wenn es nötig ist, als Ombudsman einschreiten werde.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus? 

Ich bin in der Regel gegen 8 Uhr im Büro, lese meine Emails. Meist habe ich vormittags zwei Gesprächstermine mit Eltern, Kindern oder Jugendlichen. Oft habe ich auch noch nachmittags solche Gesprächstermine. Ich versuche auch möglichst viele andere Einrichtungen kennen zu lernen, d.h. ich habe auch immer wieder Termine außerhalb. Als Ombudsman erhalte ich auch viele Einladungen zu Veranstaltungen von Einrichtungen oder Organisationen die im Kinder- und Jugendbereich tätig sind.

Wie motivieren Sie sich selbst, wenn Sie auf Probleme stoßen? 

Ich tausche mich mit meiner Kollegin, unserer Juristin Frau Gillen aus, ich mach mich kundig bei anderen Stellen oder im Internet. Als Ombudsman sehe ich viele sehr leidvolle Situationen. Ich versuche stets den Menschen mit Verständnis zu begegnen, möglichst genau zu verstehen was sie beschäftigt und zusammen mit ihnen einen Lösungsweg zu suchen.

Mit welchen anderen Organisationen arbeiten Sie zusammen?

Ich arbeite eigentlich mit sehr vielen zusammen. Durch die individuellen Dossiers komme ich oft in Kontakt mit Problemen und Fragen die für mich neu sind. Dann muss ich mich selber erst mal kundig machen, mit anderen staatlichen Stellen oder psycho-sozialen Einrichtungen Kontakt aufnehmen.

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrer Arbeit?

Die Arbeit mit Menschen und die Abwechslung! Ich lerne jeden Tag neue Menschen kennen mit denen ich zusammen nach Lösungen suche, sei es in sehr privaten Angelegenheiten, sei es in allgemein gesellschaftlichen Fragen.

Vielen Dank!