13.000 neue Einwohner/innen jährlich, steigende Immobilienpreise und Herausforderungen die speziell junge Personen betreffen, sind nur einige Faktoren, die den luxemburger Immobilienmarkt prägen. Beim diesjährigen Jugenddësch, der am 4. Mai im Gebäude der FNEL in Luxemburg-Cents stattfand, drehte sich alles um diese breite Thematik. Vier Jugendorganisationen stellten im Plenum ihre Ansichten vor, welche der anschließenden Diskussion dienten.

2013 wurde der Jugenddësch, mit dem Ziel einen regelmäßigen und strukturierten Austausch zu Themen aus der Lebenswelt Jugendlicher und junger Erwachsener zu schaffen, auf nationaler Ebene eingeführt. 2015 könnte man die Fragestellungen des Jugenddëschs folgendermaßen formulieren: Was denkt die Jugend zur Sozialpolitik des Wohnens in Luxemburg? Wo sieht sie Handlungsbedarf? Welche Änderungsvorschläge hat sie?

Der Staatssekretär Marc Hansen eröffnet den Jugenddësch.

Der Staatssekretär Marc Hansen eröffnet den Jugenddësch.

Sowohl Mitglieder der Schülervertretung als auch des Jugendparlamentes sowie des Dachverbandes der Jugendhäuser und der Jugendkonferenz haben ihre Ansichten mit einem Zeitlimit von 10 Minuten dargelegt. Seitens der Politiker/innen waren  die Familienministerin Corinne Cahen, der Präsident der Abgeordnetenkammer Mars Di Bartolomeao sowie der Staatssekretär für Bildung Marc Hansen anwesend. Später vervollständigte der Bildungsminister Claude Meisch die Runde.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass Wohnsituation und Wohnstrukturen als zentrale Aspekte der Lebenswelt angesehen werden: Die Wohnsituation habe eine Rolle auf dem Weg zur Selbstständigkeit inne; Wohnen sei ein fundamentales Recht – um es in den Worten des Sprechers des Jugendparlamentes zu sagen.

Als „komplett einfach“ betrachtet den Wohnungsmarkt niemand der Diskussionsteilnehmer/innen: Als Herausforderungen werden mehrmals die bereits erwähnten Immobilienpreise und zu wenige alternative Wohnungsmöglichkeiten im Allgemeinen, einschließlich langer Wartelisten, genannt. Mitwirkende des Dachverbandes der Jugendhäuser bezeichnen den Wohnungsmarkt als intransparent, sehen seitens der Jugend einen Informationsmangel und seitens der Eigentümer/innen ein Vertrauensproblem gegenüber jungen Personen.

Soweit der Handlungsbedarf, wie kann man die Situation für Jugendliche und junge Erwachsene auf Wohnungssuche nun verbessern?

Dazu werden vor allem Vorschläge vorgetragen, welche die Wohnungsmöglichkeiten erhöhen und die Preise senken sollen: der Ausbau von (Sozial-)Wohnungen, Höchstmieten für Personen mit einem geringen Einkommen, eine Höchstprovision für Makler/innen (welche sich nach der Größe der Wohnung richten könnte), Jugendkredite mit einem niedrigen Zinssatz und mit Garantie des Staates etc.

Aber auch Administratives könne vereinfacht werden nach Forderung des Jugendparlamentes. Die Jugendkonferenz spricht sich für eine gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr aus. Ist diese nicht gegeben, kommt es erneut zu hohen Ausgaben, beispielsweise für den Erhalt eines Autos.

Die Schülervertretung ist es, die schließlich soziale Unterstützung betont: Diese brauchen Jugendliche mit Problemen in ihrem Elternhaus genauso wie andere Hilfe und Beratung bei der Suche nach der geeigneten Wohnsituation. Die Agence Immobilière Sociale, so ein Gast des Jugenddëschs, gebe es bereits für Jugendliche und nenne sich Wunnengshëllef. Möglich sei jedoch ein Ausbau derselben sowie eine verstärkte Verbreitung der Informationen über deren Arbeit.

Die Moderatorin Kira Fischbach ging mit dem Mikrophon durchs Publikum.

Die Moderatorin Kyra Fischbach geht mit dem Mikrofon durchs Publikum.

Ein anderer Vorschlag verglichen mit den bisherigen kommt vom Dachverband der Jugendhäuser und der Schülervertretung: Sie thematisieren die fehlende Vorbereitung zum selbstständigen Wohnen. Die Schülervertretung schlägt einen Kurs vor, in welchem das Ausfüllen von Formularen oder die Durchführung von Reparaturen gelehrt werden sollen. Der Dachverband der Jugendhäuser schlägt ein Schulfach „Reales Leben“ oder non-formale Workshops dazu vor. Ein abschließendes Zertifikat könne als Nachweis der Selbstständigkeit auf dem Immobilienmarkt gelten.

Bildung wird an mehreren Stellen in den Zusammenhang mit Wohnen gebracht: Gleich in der Einführung wird erwähnt, dass sich die Wohnungssuche mit einem niedrigen Bildungsabschluss, etwa einer Berufsausbildung nach der Pflichtschule, schwieriger gestalte als mit einem höheren. Später wird dann auch angesprochen, dass das Armutsrisiko mit schulischer Bildung korreliere (Dachverband der Jugendhäuser).

Verschiedene Lebenssituationen sind zu berücksichtigen. Nicht jede/r Jugendliche habe manifeste Probleme, gibt eine Diskussionsteilnehmerin zu bedenken. Falls diese vorhanden sind, sei es laut den Mitwirkenden des Dachverbandes der Jugendhäuser notwendig, eine schnelle Garantie für das Wohnen außerhalb des Elternhauses zu schaffen.

Und trotz der Möglichkeiten, wie Wohnhäusern, gibt es auch in Luxemburg obdachlose Jugendliche. Ein Auszug der Einleitung des Jugenddëschs: „Im schlimmsten Fall führt die Wohnsituation zur sozialen Exklusion“.

Katharina

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