Stempel MeenungEin gemeinsamer Binnenmarkt, die Senkung der Roaminggebühren, Griechenland und nicht zuletzt die Flüchtlingskrise füllen die hiesigen Zeitungen. Die Omnipräsenz Europas in den Medien bietet Grund zur Frage, was Luxemburg tut, um die Jugend für die Politik jenseits der nationalen Grenzen zu sensibilisieren und zum Handeln zu bewegen.

Am vergangenen Wochenende haben sich siebzig Schüler und Studenten aus zwölf verschiedenen Ländern in Luxemburg Stadt auf dem Campus Geesseknäppchen zusammen gefunden, um sich über die Flüchtlingskrise, Außengrenzen, Wirtschaft und Umwelt auszutauschen. Dabei war es das themenübergreifende Ziel, Lösungen zu finden und Denkanstöße zu geben. Die Logistik und Organisation der Konferenz lag einzig und allein in den Händen von acht freiwilligen Lyzeums Schülern, unter der Leitung der Schweizerin Leonore Zutter (18).

Seit 1987 bietet das Europäische Jugendparlament jungen Europäern die Möglichkeit, ihre Meinung zu äußern und sich weiterzuentwickeln. Im Vordergrund dieses Debattier Programms steht neben dem Argumentaustausch auch der soziale und kulturelle Aspekt. Jährlich führt das europäische Jugendparlament über 29.000 Teilnehmer aus 38 Partnerländern zusammen, die sich so persönlich aber auch die jeweiligen Kulturen kennenlernen. Die meisten von den über dreihundert jährlichen Sitzungen finden im Ausland statt, somit haben die Teilnehmer die Möglichkeit neue Perspektiven zu entdecken.

Teambuilding, Komiteearbeit und anschließende Generalversammlung
Sitzungen des europäischen Jugendparlaments folgen stets einem konkreten Muster: Teambuilding, Komiteearbeit und die anschließende Generalversammlung. Im Gegensatz zu anderen Projekten, ordnet das europäische Jugendparlament dem Teambuilding einen hohen Stellenwert zu. Am Anfang einer Session stehen die jeweiligen Komiteemitglieder einer Gruppe Fremder gegenüber. Beim Teambuilding geht es darum, die Mitglieder einander vertraut zu machen und zusammen zu schweißen. Nachdem die anfänglich noch scheuen Abgeordneten sich  ein paar seltsam anmutenden Spielen hingegeben , verlieren sie gewisse Hemmungen. Das hilf ihnen später dabei ihre Argumente mit Leichtigkeit zu äußern.

Teambuilding am Campus Geesseknäppchen

Teambuilding am Campus Geesseknäppchen

Während der Gremienarbeit, welche dieses Mal in den Räumlichkeiten des hauptstädtischen Lycée Michel-Rodange stattfand, setzen die Komiteemitglieder sich zusammen und arbeiten eine Resolution zu einem vorgegebenen Thema aus. Diese Versammlungen werden von einem erfahrenem Parlamentarier geleitet. Dieses Mal stammten die Moderatoren der Kommissionen aus Italien, Zypern, Portugal, Rumänien sowie Italien und Portugal. Am letzten Tag versammeln sich alle Teilnehmer in der Generalversammlung um sich gegenseitig die Resolutionen zu präsentieren  und vor großem Publikum debattieren zu dürfen. Die Vollversammlung stellt den Abschluss der Sitzung dar und fand dieses mal im Festsaal des Athénée statt. Das fertige Produkt vorstellen zu dürfen und vor über siebzig Parlamentariern zu Wort zu kommen, würdigt die Arbeit der jungen Debattierkünstler. Für sie ist der Auftritt Vergütung aber auch die Gelegenheit auf Feedback zugleich.

Die Vollversammlung lag unter der Präsidentschaft des Belgiers Hannes Rooms, der den Abgeordneten das Wort erteilte und nach strengen Vorgaben auch entzog. Mit drei Minuten pro Resolutionspräsentation und jeweils neunzig Sekunden pro Argument, war der Austausch in der Plenarversammlung lebendig und streng strukturiert.

Präsident Hannes Rooms

Präsident Hannes Rooms

Das Wochenende war eine Premiere für Rooms als Präsident. „ Ich freue mich als erstes Mal, nach sechs Jahren Mitgliedschaft im europäischen Jugendparlament, eine Sitzung leiten und meine Erfahrung an die Delegierten von heute weiterreichen zu dürfen, so der Belgier, der die enge Zusammenarbeit zwischen dem belgischen und luxemburgischen Vorstand unterstrich. Belgien hatte schon den Präsidenten für die erste nationale Sitzung in Schengen gestellt.


Akademisches Projekt mit Anspruch auf Kulturvermittlung
Auch dieses Jahr haben viele Neulinge eine andere Seite von sich entdeckt, unzählige und einige beständige Freundschaften geschlossen und sich für weitere internationale Konferenzen qualifiziert. Sie erinnern sich zurück an den Abend des “Eurovillage”, an dem jede Delegation ihr Essen und ihre Bräuche, Traditionen und Kultur vorgestellt hatte.
Das europäische Jugendparlament ist nämlich nicht bloß ein akademisches Projekt es widmet sich auch der Aufgabe, den jungen Europäern die Kulturen ihres eigenen Kontinentes näher zu bringen. Dies wurde auch während der Schlusszeremonie im Kolléisch deutlich, wo der Abschluss der durchaus gelungenen Sitzung gefeiert wurde. Beethovens Ode an die Freude “ schallte durch den Plenarsaal und erfüllte die jungen Europäer, die teilweise zum ersten Mal entdecken durften, was hinter den Grenzen des Großherzogtumes lauert, mit dem Gefühl der Selbstverwirklichung und der transnationalen Freundschaft. Man hat den europäischen Freiheitsgedanken noch einmal Mal hoch leben lassen, bevor man sich verabschiedete. Denn im Netzwerk des europäischen Jugendparlamentes gibt es kein Ende, sondern nur ein auf Wiedersehen.
Diesem Versprechen kommt das europäische Jugendparlament in Luxemburg nach, indem es im April kommenden Jahres wieder eine nationale Sitzung plant, die für jedermann zugänglich ist. Diese Konferenz wird teilweise im Plenarsaal des europäischen Parlamentes auf Kirchberg stattfinden und hundertdreißig Teilnehmer willkommen heißen, die sich ab Januar eintragen können. Weitere Infos gibt es auf www.EYP.lu 

Mitglieder des Komitees

Mitglieder des Komitees

Pitt Sietzen