Ein Interview mit Young Fairtrade

Die Banane steht zwar symbolisch für Fairtrade, jedoch wird eine viel größere Produktvielfalt bedient. So verkaufte die „Young Fairtrade Gruppe“ aus Luxemburg auf dem On Stéitsch Festival am 3. Oktober 2015 zum Beispiel „faire Cocktails“. SLAM! hat nachgefragt: Wofür steht die Organisation eigentlich und wann ist ein Produkt wirklich fair gehandelt?

 

SLAM!: Wofür steht Fairtrade? Was sind die Aufgaben?

Young Fairtrade: Der Faire Handel wurde ins Leben gerufen, um den benachteiligten Bauern im Süden zu ermöglichen, am internationalen Handel fair beteiligt zu werden. In vielen Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas sind die Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft besonders schwierig. Oftmals leben die Produzenten und ihre Familien in großer Armut, da ihnen sehr niedrige Preise für ihre Erzeugnisse gezahlt werden und sie keine Macht auf dem Weltmarkt besitzen.
Fairtrade setzt sich dafür ein, genau das zu ändern. Im Fairtrade System erhalten die Produzenten einen Mindestpreis, der, unabhängig von den Schwankungen an der Börse, dafür sorgt, dass die Bauern ihre Produktionskosten decken können. Außerdem wird eine Fairtrade Prämie gezahlt, die für soziale Projekte für die ganze Gemeinschaft vor Ort eingesetzt wird, z.B. um eine Schule oder ein Krankenhaus zu bauen. Wichtig ist, dass die Produzenten gemeinschaftlich über alle Entscheidungen abstimmen. Des weiteren ist ausbeuterische und illegale Kinderarbeit strengstens verboten. Der schon erwähnte Mindestpreis trägt nämlich auch dazu bei, dass Bauern eben nicht mehr auf billige Arbeitskräfte wie Kinder angewiesen sind. Außerdem wird die Umwelt geschont : der biologische Anbau wird gefördert und bestimmte Pestizide sind ganz verboten, andere werden nur in geringem Maße eingesetzt. Allgemein werden die Bauern auch geschult, sodass sie mit wertvollen Ressourcen, wie Wasser, schonend umgehen und lernen, sich dem Klimawandel anzupassen.
Der Faire Handel will also sicherstellen, dass die Produzenten im Süden mit ihrer Arbeit ein menschenwürdiges Leben führen können.

SLAM!: Gelten diese Produktionsbedingungen für alle Produkte von Fairtrade oder betrifft es nur Kaffee, Bananen und Tee?

Young Fairtrade: Es gibt Fairtrade Standards für alle Fairtrade Produkte aus dem Süden. Neben den gerade von dir genannten Lebensmitteln gibt es z.B. auch noch Baumwolle, Rosen und Fußbälle.

SLAM!: Ist denn auch wirklich alles Fairtrade?

Young Fairtrade: Die Einhaltung der Fairtrade Standards wird streng kontrolliert, sowohl bei den Produzenten im Süden, wie auch bei den Unternehmen im Norden, die Produkte auf den Markt bringen. Ein unabhängiges Kontrollorgan, welches Flo-Cert heißt, kontrolliert, ob die sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Standards eingehalten werden. Es wird auch kontrolliert, ob die Produzentenkooperativen den festgelegten Mindestpreis und die Fairtrade Prämie ausgezahlt bekommen.

SLAM!: Dann ist auch die Weiterverarbeitung Fairtrade? Immer, auf jeden Fall?

Young Fairtrade: Ja, auch die Hersteller in Europa, bei denen die Produkte weiter verarbeitet werden, werden kontrolliert. Es gibt auch viele andere Labels, die Produkte als „Fair“ kennzeichnen. Und manchmal sind die Leute verwirrt, wenn sie Reportagen sehen, dass Fair nicht mehr Fair ist. Aber das Fairtrade Label auf Produkten garantiert, dass die Standards respektiert wurden. Eine Produzentenorganisation oder ein Hersteller, der die Standards nicht einhält, wird dezertifiziert.
Aktuell läuft nur bei den Textilien noch nicht die gesamte Herstellung unter Fairtrade Bedingungen ab, denn das Label für Fairtrade Baumwolle fokussierte sich bisher auf die Baumwollbauern. Allerdings arbeitet Fairtrade an einem Textilstandard, der Anfang nächsten Jahres eingeführt wird. Somit wird dann die ganze Produktionskette ebenfalls unter Fairtrade Kriterien ablaufen.

SLAM!: Heute beim On Stéitsch Festival seid ihr mit einem Stand da, um Fairtrade zu vertreten und um den Leuten Fairtrade näher zu bringen, oder?

Young Fairtrade: Ja genau. Um allen zu zeigen wie lecker Fairtrade Produkte eigentlich sind, haben wir Cocktails aus Fairtrade Säften im Angebot, genauso wie kleine Snacks. Es gibt zum Beispiel auch Cashewnüsse, Schokoriegel, Bananen, die man ja schon kennt. Das ist unser Angebot für heute. Durch den Kauf von Fairtrade Produkten kann jeder dazu beitragen, die Produzenten im Süden zu unterstützen und ihnen zu ermöglichen, sich aus eigener Kraft eine bessere Zukunft aufzubauen.

 

Weitere Infos zu Fairtrade und zur Jugendgruppe gibt es unter: www.fairtrade.lu

 

Laura