Eine junge Band aus Luxemburg verwirrt mit Namen und Genremix

Julien und Julien sind neben Julia, Nina und Luca Mitglieder der Choppy Bumpy Peaches. 2014 gegründet, machen sie seither spacy Musik in Luxemburg und vertreten einen Genremix, den sie selbst nicht ganz eingrenzen können. Die SLAM! Redaktion wollte etwas mehr über die Band mit dem komischen Namen wissen und hat die beiden Gitarristen, Julien Strasser und Julien Hübsch, getroffen.

 

The Choppy Bumpy Peaches: Julien Hübsch, Julia Lam, Luca Bartringer, Nina Bodry und Julien Strasser (von links)

The Choppy Bumpy Peaches: Julien Hübsch, Julia Lam, Luca Bartringer, Nina Bodry und Julien Strasser (von links)

 

Wie seid ihr auf die Idee gekommen eine Band zu gründen?

Strasser: Das ist eine sehr lustige Geschichte. Es war kurz vor den Sommerferien und ich und eine Freundin haben uns gedacht, dass wir etwas verrücktes machen müssen, um mit den Sommerferien zu beginnen. Also haben wir meine Haare blond gefärbt. Am nächsten Tag sind wir dann mit ein paar Freunden nach der Schule zu der Freundin nach Hause gegangen, da sie ein Schwimmbad hat. Meine Freunde haben mich dann natürlich ausgelacht und behauptet, ich würde mit den blonden Haaren wie ein Surferboy aussehen. Ich habe dann, allerdings aus Spaß, vorgeschlagen, dass wir eine Surferband gründen könnten. Am Anfang waren wir deshalb auch zu zehnt in der Band, weil jeder einfach nur zugestimmt hat. Letztendlich haben wir aber nie zu zehnt geprobt. Dadurch entstand dann auch unser Surferlied, das wir auf unserem ersten Konzert gespielt haben. Danach aber nie wieder.
Hübsch: Ich bin nur zwei Wochen vor einem Konzert dazu gestoßen, da ich eigentlich keine Zeit für eine Band hatte. Am Anfang wollte ich nur aushelfen aber dann hat es sich eben so ergeben, dass ich jetzt Mitglied bin.

Wie würdet ihr die Musikrichtung der Choppy Bumpy Peaches beschreiben?

Strasser: Wir wussten bis Februar nicht, welcher Musikrichtung wir eigentlich angehören. Und jetzt haben wir das immer noch nicht so wirklich definiert. Wir haben jetzt aber wenigstens ein Wort, das wir benutzen können: Space Rock.
Wir waren in der KUFA auf einem Sound-band-Camping und da haben wir den Typen dann einfach gefragt, wie er unsere Musik beschreiben würde. Er hat gesagt, es würde ‚lush‘ klingen, also wie dieser Seifenladen. Dann haben wir das erstmal beibehalten, aber da niemand wusste, was Lush Rock ist, haben wir es Space Rock genannt, weil unsere Musik eben spacy ist.

Probiert ihr auch manchmal andere Musikrichtungen aus? 

Hübsch: Wir haben sehr viele verschiedene Lieder. Mittlerweile können wir Sets zusammenstellen, die zueinander passen, weil wir halt mehr Lieder zur Auswahl haben. Aber am Anfang hatten wir einen Song, der eher Psychedelic war, der nächste war dann Rock und dann wieder irgendwas anderes. Es hat irgendwie nicht wirklich zusammen gepasst. Aber mittlerweile fängt alles an zusammen zu laufen und bekommt eine Struktur.
Wir haben zum Beispiel mal eine deutsche Band-Biografie für einen Contest geschrieben. Der erste Satz dieser Band-Bio war „The Choppy Bumpy Peaches – Ein Projekt über Dingenskirchen, Pi-Pa-Po und Haste-nicht-gesehen“. Könnte genauso gut ein Zirkus sein. Ich habe diesen Namen auf meiner deutschen Uni gesehen. Es war eine Masterarbeit von einem ‚Architekten/Medienheini‘ und der hat seine Arbeit „ein Projekt über Dingenskirchen…“ genannt. Und wir dachten uns, dass die Leute das lustig finden würden. Wir haben es danach aber nie wieder benutzt und an dem Contest haben wir letztendlich auch nicht teilgenommen.

Diese Frage beantwortet ihr wahrscheinlich nicht zum ersten mal: Wie kam es zu eurem Bandnamen?

Hübsch: Warum dieser bescheuerte Name? Wir haben lange ohne gespielt und uns ist keiner eingefallen. Dann haben wir einfach entschieden, die lustigsten Worte aus dem Kurs zu nehmen: „choppy“ und „bumpy“. Und Nina wollte schon immer „Peaches“ im Namen einbauen. Außerdem ist nach einem von unseren Konzerten Peaches Geldof gestorben. Unser Symbol ist auch der Pfirsich, wir haben den sogar tätowiert.

Das bleibt für immer

Das bleibt für immer

In der chinesischen Mythologie hat der Pfirsich auch eine gewisse Symbolik. Die alten Weisen haben Pfirsiche gegessen, da sie dachten, man würde dadurch unsterblich werden. Außerden ist es einfach lustig, weil Julia Chinesin ist.

Improvisiert ihr auf der Bühne?

Hübsch: Wir beide auf jeden Fall, aber den anderen gefällt es nicht so wirklich. Jetzt ist ein Konzert viel strukturierter, sonst haben wir eher gefreestyled. Wir beide versuchen aber immer eine kleine Showeinlage miteinzubauen, das ist eines der Markenzeichen unserer Band. Zum Beispiel hat Julien Strasser auf einem Konzert auf meinen Schultern gespielt. Auf Facebook gibt es Beweismaterial. Während dem Lied ist Julien einfach auf meine Schultern geklettert und wir haben so gespielt.Wir sahen aus, wie ein riesiges Monster.

Habt ihr Glücksbringer?

Hübsch: Wir haben eine kleine Fotografin, gilt das? Sie gehört mittlerweile dazu. Ihr Name ist Léa. Wir haben sie irgendwann mal auf einem Konzert aufgegabelt und jetzt hängt sie öfters mit uns rum.

Wie ist es in Luxemburg so mit den Bands? Gibt es eine Szene?

Hübsch: Man kennt hier sehr schnell die „Szene“, wir sind ja schließlich in Luxemburg. Der Großteil ist schon nett, mit den meisten kommen wir wirklich gut klar und können auch mit ihnen rumhängen. Man teilt die gleichen Ideen und Leidenschaften. Es ist ein friedlicher Konkurrenzkampf. Jeder hat seinen eigenen Stil. Es ist also eher ein Miteinander als ein Gegeneinander. Man trifft sich auch öfters, zum Beispiel mit Only 2 Sticks, District 7, Neverminds (die es jetzt aber leider nicht mehr gibt).
Die Metal-Szene ist in Luxemburg mehr für sich und auch sehr groß. Jeder Trottel, der zwei Akkorde spielen kann, will eine Metal-Band gründen und tut das dann auch. Es ist halt eine Szene für sich, die gehen auch nur gegenseitig auf ihre Metalkonzerte und würden auch nicht freiwillig auf unsere gehen.

Hört ihr eigentlich alle die gleiche Musik? 

Hübsch: Gar nicht, alles ganz verschiedene Richtungen. Aber das ist auch der Grund, warum unsere Musik teilweise so verrückt ist, da sich jeder sehr individuell für Musik interessiert. Julia hört eher elektronische Musik, Luca ist ein großer Kings of Leon Fan, Nina hört eher alte Musik, wie zum Beispiel die Rolling Stones. Wir beide haben eigentlich fast den gleichen Geschmack, wobei Strasser eher die lautere und härtere Musik hört. Aber es schwankt auch immer.

Was ist die verrückteste Geschichte, die ihr zusammen erlebt habt ?

Hübsch: Dürfen wir das überhaupt erzählen, wenn es aufgenommen wird? Wir haben mal ein Flugzeug von London nach Frankfurt verpasst. Wir haben den Bus genommen, der eigentlich vom Zentrum von London so 45 Minuten bis zum Flughafen braucht. Letztendlich hat das dann zwei Stunden gedauert und wir haben den Check-In Termin verpasst. Das Flughafenpersonal hat auch nicht mit sich reden lassen, wir mussten also einen neuen Flug buchen. Das Problem war, dass der nächste Flug erst am Morgen danach ging und so mussten wir die Nacht am Flughafen verbringen. Es war sehr lustig. Wir waren in einem Café, jeder hat versucht ein bisschen zu schlafen. Aber wir mussten uns abwechseln, um nicht rauszufliegen. Einer hat also immer etwas getrunken, damit sie uns nicht rausschmeißen konnten.

Woher bekommt ihr eure Inspiration? Schreibt ihr die Texte alle zusammen?

Hübsch: Wir beide schreiben den größten Teil der Texte. Nina hat auch einen geschrieben und es gibt auch welche, die wir alle zusammen verarbeitet haben. Die Inspiration kann überall kommen, in der Dusche, beim Autofahren. Aber  meistens bei Autofahrten, also immer dann, wenn man nichts aufschreiben kann. Dann kommt man zu Hause an und hat das meiste wieder vergessen.
Strasser: Für mich sind die besten Texte die, zu denen ich eine emotionale Verbindung habe. Vor allem traurige Momente in meinem Leben, die mich geprägt haben. Es klingt kitschig, ist es aber eigentlich gar nicht. Einer meiner Songtexte ist ein Abschiedsbrief. Das hört sich vielleicht nicht sehr schön aber es ist der beste Text, den wir haben.

Wo probt ihr?

Hübsch: Wir üben bei Julien Strasser im Keller. Da gibt es eine Küche und die Katze ist auch immer dabei. Zwischen toten Mäusen, Schreibmaschinen und drei Kühlschranken.

Plant ihr ein Album aufzunehmen?

Strasser: Ja, eine zweite EP. Wir haben diese Demo-Songs letztes Jahr im Keller eines Freundes aufgenommen und für damals war es OK aber im Nachhinein ist es nicht qualitativ hochwertig genug. Dieser Freund studiert jetzt auch Tontechnik. Aber ja, das ist der nächste große Plan, dass wir weitere Songs aufnehmen die dann eher zu dem passen, was wir jetzt machen.

Wo seht ihr euch und die Band in fünf Jahren?

Strasser: Ich weiß es nicht, ich würde gerne mit der Band weiter machen. Unser Drummer Luca möchte studieren gehen und das geht für ihn natürlich vor. Ich will versuchen damit zu überleben.
Hübsch: Ja, überleben ist der Plan.
Hübsch und Strasser: Wir wollen nicht unbedingt durch Musik Geld verdienen, sondern durch die Kunst. Julien Hübsch studiert Malerei und ich will das nächstes Jahr auch machen. Ich bin gerade dabei meine Bewerbungsmappe fertig zu stellen.

Live sind The Choppy Bumpy Peaches noch interessanter! Das nächste Konzert findet am 18ten Dezember im Rocas zusammen mit Only 2 Sticks, the Red October und The Kooters statt. Das Ganze heißt ONE EVENING IN HEAVY SPACE. Weil es alles spacy, laute Bands sind. Der Eintritt ist dabei für luxemburgische Verhältnisse erstaunlich günstig: 5 Euro für vier Bands!

Melany, Ronja

Ronja

European Volunteer from September 2015 to August 2016. Based in Luxembourg.

Latest posts by Ronja (see all)