In Homo faber rechnet sich ein Techniker die Welt, wie sie ihm gefällt – mit fatalen Folgen

Stempel MeenungHomo faber wird gerade vom Kaleidoskop Theater inszeniert und ist auch als Schullektüre immernoch sehr beliebt. Ich war nie sonderlich begeistert von Max Frischs Werk, was daran liegen könnte, dass ich die Abilektüre zwei Jahre  lang „totinterpretieren“ musste. Dennoch gilt es als das erfolgreichste Werk des Autors. Das ist Anlass genug, Homo faber einmal kurz vorzustellen.

 

Walter Faber und seine Tochter/ Geliebte

Walter Faber und seine Tochter/ Geliebte

 

Max Frisch war Architekt und das merkt man auch seinem Roman Homo faber. Ein Bericht an. Gefühlt konstruiert bis ins letzte Detail, kann er für Literaturromatiker ganz schön künstlich wirken. Vielleicht überrascht es auch nur, dass alle Interpretationsansätze Sinn ergeben, gewollt erscheinen und immer auf dieselben Themen hinauslaufen.
Doch bevor interpretiert werden kann, muss gelesen werden. Wer das in der Schule noch nicht getan hat, erhält hier einen kurzen und nicht ganz ernst gemeinten Einblick in die Handlung:

Walter Faber, Techniker und somit Rationalist durch und durch, muss mit dem Flugzeug mitten in der Wüste Mexikos notlanden. Die Empörung ist groß, gilt Natur für ihn doch als ekelhaft. Egal, er übersteht den Zwischenstopp und findet sogar noch Zeit, seine Beziehung in New York per Post zu beenden. Doch seine „Ex“ ignoriert den Brief einfach und holt ihren Walter sogar vom Flughafen ab. Dem reichts, die Geschäftsreise von New York nach Europa möchte er jetzt – ganz untypisch für ihn, da langsam – per Schiff zurücklegen. Das macht er dann auch und lernt dabei ein junges Mädchen mit Pferdeschwanz, genannt Sabeth, kennen. Walter verliebt sich und macht der „jungen wilden“ sogar einen Heiratsantrag. Diese nimmt ihn zwar nicht an, findet aber doch Gefallen an dem betagten Herr und die beiden reisen durch Europa.
Achtung, jetzt wird es verwirrend: Während der Reise stellt sich heraus, dass Sabeth die Tochter von Fabers Jugendliebe Hanna ist, die auch schwanger von ihm war aber abtreiben wollte. Walter Faber stellt eine konfuse Rechnung auf und ist sich so ganz sicher, dass das Mädchen nicht seine Tochter sein kann. Bei Mondschein geht der Inzest weiter.
Letztendlich stirbt das junge Mädchen durch einen Unfall. Dadurch kommt Walter wieder mit ihrer Mutter in Kontakt und verliebt sich erneut. Sie gibt ihm auch zu verstehen, dass Faber eine Beziehung mit seiner eigenen Tochter hatte. Der fühlt sich dann doch schuldig, reist noch einmal durch die Welt und schreibt seine Gedanken auf (Homo faber. Ein Bericht). Zu Ende des Romans wird Faber Magenkrebs attestiert und eine Operation eingeleitet, die mit seinem Tod enden könnte. Was für ein Drama, für den sonst so betont rationalen Techniker.

Frischs Spiel mit der Widersprüchlichkeit  

Das ist jedoch nur die Haupthandlung. Zwischendurch findet sich Faber auch in Havanna oder im Dschungel wieder. Immer in anderer Stimmungslage, vorwiegend unsympathisch. Was sich durch den gesamten Roman (und gefühlt jeden Satz) zieht, ist das Aufzeigen von Kontrasten: Gegensatz von Natur und Technik, Mann und Frau, Fabers Verneinung des Schicksals obwohl dieses offensichtlich scheint und die Thematik des verfehlten Lebens. Die Widersprüche finden sich überall in Frischs Werk. So ist allein schon der Titel Homo faber. Ein Bericht eine Absurdität, da Homo faber kein objektiver Bericht ist, sondern eher einem stark subjektiven Tagebucheintrag ähnelt. Um nur ein Beispiel zu nennen.

Auch wenn ich mich nicht zu den größten Fans des Romans zähle, denke ich doch, dass er lesens- und sehenswert ist. Daher gibt es das Werk für Literaturmuffel auch zum Anschauen: Am 18., 19. und 21. Februar führt das Kaleidoskop Theater im Schloss Bettemburg Homo faber auf. Tickets gibt es hier.  Verschafft euch selbst einen Einblick und bildet euch eure eigene Meinung!

Ronja