Das Kaleidoskoptheater inszeniert Homo faber

„Ich glaube nicht an Fügung und Schicksal, als Techniker bin ich gewohnt mit den Formeln der Wahrscheinlichkeit zu rechnen.“

so das wahrscheinlich bekannteste Zitat aus Max Frischs Werk „Homo faber. Ein Bericht“, mit welchem auch die Theatervorstellung in Schloss Bettemburg eingeleitet wird. Jean-Paul Maes stellt bei seiner Inszenierung die Beziehung zwischen dem Protagonisten Walter Faber (Neven Nöthig), seiner Tochter Elisabeth (Rosalie Maes) und ihrer Mutter Hanna Piper (ebenfalls Maes) ins Zentrum.

Walter Faber, Ingenieur, muss während einer Dienstreise in der mexikanischen Wüste notlanden. Es stellt sich heraus, dass Herbert Hencke (Tim Olrik Stöneberg), der Bruder von Fabers Jugendfreund Joachim Hencke, ebenfalls Insasse des Flugzeugs war. Faber beschließt, Herbert in den Dschungel zu begleiten um dort nach Joachim zu suchen. Die beiden finden ihn erhängt auf.

 

Walter Faber und Herbert Hencke

Walter Faber und Herbert Hencke

Zurück in New York, beendet Walter Faber die Beziehung zu seiner Freundin und tritt seine Dienstreise, ganz entgegen seiner Gewohnheiten, mit dem Schiff an. Auf der Überfahrt nach Europa lernt er ein junges Mädchen namens Elisabeth kennen, die ihn sehr an seine erste Liebe Hanna erinnert. Die beiden finden Gefallen aneinander und beschließen sogar, gemeinsam durch Südeuropa zu reisen. Während diesem Trip verbringen die beiden auch eine Nacht miteinander. Bald stellt sich heraus, dass Elisabeth die Tochter von Hanna ist, jedoch will Faber nicht wahr haben, dass er der Vater des Mädchens ist. Durch einen Unfall stirbt Elisabeth dann im Krankenhaus in Athen. Dort begegnet Walter Faber dann Hanna wieder und verliebt sich erneut in sie. Sie ist es auch, die ihm zu verstehen gibt, dass Elisabeth seine Tochter ist. Faber möchte nach dem Tod seiner Tochter sein Leben ändern, reist nach Kuba und findet neue Lebensfreude. Jedoch leidet er an Magenkrebs. Der Roman endet mit der Operation Fabers.

Das Kaleidoskoptheater inszenierte nun den weltbekannten Roman Frischs und bringt dadurch ein hochaktuelles Stück auf die Bühne. In einer technikversierten Welt, scheitern oftmals zwischenmenschliche Kommunikation und auch das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit geht immer mehr verloren. Diese Problematik greift „Homo faber. Ein Bericht“ auf. Das Ensemble des Kaleidoskoptheaters brachte dies eindrucksvoll herüber. Während Walter Faber, der eigentlich ein unterkühlter Techniker ist, das Publikum durch Situationskomik unterhielt, war vor allem der Kunstgriff der Doppelbesetztung von Elisabeth und Hanna durch Rosalie Maes gelungen. Nur durch eine Perrücke unterscheiden sich Mutter und Tochter. Die Ähnlichkeit zu Hanna, die Faber bei der Begegnung mit Elisabeth sofort beschäftigt, war so für den Zuschauer greifbar. Zudem wurde dadurch die Thematik des Davonlaufens vor dem Alter verbildlicht. Diese wirft Hanna Walter Faber auch ganz konkret vor: „Wir können nicht das Alter aufheben, indem wir weiter addieren, indem wir unsere eigenen Kinder heiraten.“.

Nur einige Stühle, eine große Decke und Fabers Schreibtisch waren fester Bestandteil des Bühnenbilds. Durch Lichtreflexe, die auf eine große Leinwand geworfen wurden, wurde zum Beispiel die Notladung passend unterstützt. Durch dieses schlichte Bühnenbild konnte sich der Zuschauer voll auf das Stück konzentrieren und trotzdem fehlten keine unterstützenden Elemente.

Besonders beeindruckend war die Livemusik der Saxophonistin Jessica Quintus, die durch das gesamte Stück leitete. Aber auch Elisabeth und Walter Faber brachten 50iger Jahre Flair in die Vorstellung: Die beiden stimmten “Que sera, sera. Whatever will be, will be” an. So wurde die Kontroversität der Figur Walter Faber dargestellt, der sicherlich nicht jedes Schicksal einfach so annehmen kann.

Walter Faber und seine Tochter/ Geliebte

Walter Faber und seine Tochter/ Geliebte Elisabeth

Eigentlich war die letzte Aufführung von Homo faber für den 21. Februar geplant. Jedoch sind nun zwei Sondervorstellungen für den 24. und 25. März angesetzt. Wer das nicht verpassen will, kann sich hier noch Karten sichern. 

Ronja

Ronja

European Volunteer from September 2015 to August 2016. Based in Luxembourg.

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