Nur Spaß oder doch Mobbing?

Fotos und Videos, die Nutzer dazu auffordern, ihre Freunde zu markieren, gehören zum Social-Media-Alltag. Häufig handelt es sich um Bild- oder Videomaterial, das mit dem Anspruch, witzig zu sein, gepostet und geteilt wird. Dabei kann es sich um Aufnahmen handeln, bei denen die Komik aus der Situation – beispielsweise einem peinlichen Vorfall – heraus resultiert oder um Fotos von Personen, deren Aussehen bei den Nutzern für Belustigung sorgt.

Hierzu gehören Bilder übergewichtiger, behaarter oder aus anderen Gründen für unattraktiv befundener Personen, die in den sozialen Netzwerken zirkulieren. In diesem Sinn trägt die Abbildung eines stark übergewichtigen Mannes die Aufschrift „Ich suche Sarah. Markiere Sarah“, während ein anderes Bild, das eine fettleibige Frau zeigt, mit der Aufforderung „Markiere jemanden der ihr nicht widerstehen könnte“ versehen wird. In den meisten Fällen ist für Nutzer nicht erkennbar, wo das jeweilige Bild herkommt oder ob es mit dem Einverständnis der abgebildeten Person verbreitet wurde.

Gelächter in den Kommentaren, aber worüber eigentlich?

Über 4300 Kommentare erhält ein Bild, das einen fettleibigen nackten Mann zeigt, der mit Weintrauben in der Hand ausgestreckt auf einer Couch liegt. Kommentare wie „schau mal, da wartet jemand auf dich“ oder „wär der nix“ lassen erahnen, worin die eigentliche Pointe besteht. Gelacht wird über die von den Nutzern vorausgesetzte Absurdität, dass die abgebildete Person jemals eine Sarah finden beziehungsweise überhaupt Sex haben könnte, worauf so mancher Kommentar anspielt. Zum einen wird daher kollektiv über das Aussehen der abgebildeten Person gelacht, zum anderen aber auch über den Markierten, dem implizit unterstellt wird, die abgebildete Person attraktiv zu finden, was als unmöglich, lächerlich oder gar ekelhaft bewertet wird. Häufig wird der verletzende Charakter solcher Bildmontagen durch das Zusammenspiel von Bild und Text sichtbar.

So mancher Nutzer erkennt dabei nicht, dass dies eine Form von Mobbing ist. Selbst Personen, die sich im Alltag klar gegen Mobbing und Diskriminierung aussprechen, markieren nicht selten ihre besten Freunde in solchen Bildern oder werden markiert und lachen mit. Unbewusst nehmen sie am Cybermobbing teil und dies aus zweifacher Sicht. Betroffen ist sowohl die abgebildete als auch die markierte Person. Nutzer, die ihre Freunde markieren, betrachten diese Handlung häufig als „Spaß“ und setzen voraus, dass der Markierte dies ebenso auffasst. Einigen ist dabei nicht klar, dass hiermit die Persönlichkeitsrechte anderer verletzt werden, woraus im Ernstfall eine Anzeige wegen Cybermobbing resultieren kann.

Martine

Weitere Informationen zum Thema Cybermobbing gibst es hier.